Wiki-Theater

Ein interessantes Projekt, dessen Name „Ödipedia“ auch eine Internet-Mitmach-Sammlung zu den langweiligsten Sachen, die es gibt, sein könnte. Ist es aber nicht. Ziel des Projektes der Theatergruppe Antigone 2.0 ist es, Sophokles Ödipustragödien neu zu erfinden. Und zwar nicht alleine, sondern sie lassen auch andere für sich schuften: in einem Wiki kann jedeR den Urtext nach Belieben bearbeiten. Dabei gehen die Admins offensichtlich bisher nicht so restriktiv, wie in dem Prestige-Projekt der Mediawiki-Software Wikipedia, vor – der erste Beitrag zum Text lautete schon mal „Hurz!“. Auch die Ankündigungen im gruppeneigenen Blog lesen sich ganz schön:

Im Setting einer Quizshow, bei der sich das Publikum beteiligen kann, werden Fragen aufgeworfen, Ödipus taumelt auf die Bühne, Boten kommen zu spät, große Staatsmänner wie Kreon und Theseus haben ihren Auftritt und zum Schluss findet eine Apotheose statt. Die Stasima stehen als dionysischer Gegenpol zum abstrakten Wahrheitsbegriff und sind von einer suchenden Musikalität geprägt. Im Idealfall wird hierzu Live-Musik verwendet. Währenddessen verändert sich die Frage-Antwort-Relation. Während der erste Kandidat noch überlegt, ob er lieber Sport für 300 oder Kultur für 1.000 auswählt, hat sein Nebensitzer bereits ein „E“ gekauft und dessen Gegenüber wird langsam nervös, weil sie mit dem Handy einfach nicht ihren gewünschten Telefonjoker erreichen kann. Der Kandidat, der es tatsächlich ins Finale geschafft hat, droht allerdings daran zu scheitern, den Begriff „Oszillation“ fürs Publikum verständlich aus Bauschaum zu formen.

Das lässt auf mehr hoffen, auf meine Beaobachtungsliste hat die Gruppe es erstmal geschaft. Und jetzt stürzt euch auf den Text.

(via Telepolis)

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