Testcard #18: Regress
Ich halte gerade die neue Ausgabe der testcard, die heute erscheint in den Händen. Das Thema lautet diesmal „Regress“. Neben vielen anderen interessanten Artikeln könnt ihr auch einen von mir lesen:
Ausgetauschte Tonspur. Das heute ungenutzte Potenzial der filmischen Montage und Zweckentfremdung.
Also nichts wie ab in den nächsten Buchladen, zu Amazon oder zu mir und das Ding kaufen.

»testcard« reagiert auf den reaktionären Wandel unserer Gesellschaft – polemisch, analytisch, kämpferisch, aber nicht resigniert.
1968 ist dieses Jahr in aller Munde. Aber wie steht es mit unserer gegenwärtigen Gesellschaft? Nahezu alle im Zuge von 1968 erkämpften Errungenschaften werden derzeit wieder schrittweise abgeschafft. »testcard« #18 wirft einen kritischen Blick auf den reaktionären Backlash, den die westlichen Gesellschaften in den letzten Jahren erfahren haben. Dies betrifft die Renaissance von Religionen aller Art, spirituelle und irrationale Lebensmodelle, die erstarkte Bedeutung der Kleinfamilie und von traditionellen Geschlechterrollen, Neoromantik und Eskapismus in der Kunst und Musik und den Abbau von Bürgerrechten.
Die neue Stimme der Reaktion kommt jedoch nicht einfach nur »von oben«. Phänomene wie flächendeckende Kameraüberwachung werden von einem Großteil der Bürger begrüßt oder sogar ausdrücklich gefordert. Filme wie »Keinohrhasen« oder Bücher über spirituelle Erlebnisse auf dem Jakobsweg feiern deshalb so große Erfolge, weil sie den regressiven Nerv der Zeit treffen. Doch wie konnte es zu einem solchen Mentalitätswandel kommen? Warum gehen Prekariat und zunehmende Entrechtung nicht mit Protesten einher, sondern mit der Flucht in Denk- und Lebensmodelle, die den Anschein erwecken, es habe das Projekt Aufklärung nie gegeben?
»testcard« #18 vermeidet einseitige Schuldzuweisungen und versammelt erstmals in einer Anthologie kritische Analysen zu einem Rückschritt, der alle gesellschaftliche Bereiche erfasst hat.
Tags: Film, Lord of the Weed, Regress, Situationistische Internationale, testcard, Woody Allen, Zweckentfremdung
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