Alle Macht der Super 8! – Freitag, 13.3., 21:15 Uhr im ImmerHin

Nächste Woche gibt es wieder eine Veranstaltung aus unserer Reihe „What you see is what you are“

Freitag 13.3
Immerhin Filmsaal
21:15

„Alle Macht der Super 8! – Die deutsche Post-Punk-Super-8-Film-Szene Anfang der 80er“

In den 80ern entstand in Berlin eine wilde Experimentalfilmszene, die mit dem Schlachtruf „Alle Macht der Super 8!“ losstürmte, um die Welt, oder das was sie dafür hielt (bzw., was sie den Leuten glauben machen wollte, was sie wäre), auf Film zu bannen.

Die 80er begannen in Berlin schon 1978 (und endeten dafür bereits Mitte der Restwelt-80er), als der Künstler Martin Kippenberger den Punk-Club S.O. 36 übernahm. Das S.O. 36 war ein wichtiger Austragungsort für Begegnungen und Aggressionen und sein Einfluss auf die Punk- und Experimentalfilmszenen unermesslich. Auf Vermittlung von Kippenberger wurden dort z.B. bereits 1979 Filme aus dem New Yorker No-Wave-Underground gezeigt, der später zum „Cinema of Transgression“ wurde.

Gemäß der Do-It-Yourself-Ethik von Punk und Post-Punk basierten die frühen Punkfilme auf einem billigen, schnellen und allgemein verfügbaren Produktionsmittel: der Super-8-Kamera, wenig später ergänzt durch Videokameras.

Das Super-8-Format war ursprünglich auf den AmateurInnen-Bedarf zugeschnitten – und wurde entsprechend beworben. Urlaubsfilme sollten damit gedreht, Familienfeiern festgehalten werden – ein typisches Produkt des boomenden Freizeitmarktes. Der von diesem Markt hervorgebrachte Typus der DilettantIn beeinflusste Punk und Post-Punk als Negativ wie als Faszinosum.

Super-8 war ein typisches Medium kleinbürgerlicher Selbstvergewisserung: Die daheim gebliebene Verwandt- oder Nachbarschaft sollte die PauschaltouristInnen beneiden, deswegen mussten Urlaubsorte, Sehenswürdigkeiten, Strandgefühle und Tellergerichte akribisch dokumentiert werden. Gegen Ende der 70er war der Neidfaktor jedoch nicht zuletzt wegen der enormen Verbreitung von Kameras und Projektoren erheblich abgerieben.

Die Super-8-Projektoren hatten (gemeinsam mit den Diaprojektoren) bald schon das Image kleinerer Folterinstrumente. So verschwand das Super-8-Equipement – wie so vieles vor ihm – in Kellern und Dachböden. Insofern irgendwie logisch, dass die junge Avantgardebewegung, die im noch nicht genauer definierten Feld zwischen Punk, New Wave und Kunst aufpoppte, die Einkaufssünden der eigenen Eltern dort wieder rauskramte und zu einem Mittel für Kunstproduktion machte: Super-8 war ein typisches „Do It Yorself!“-Medium des Punk und stand in einer Reihe mit Fanzine, Kassette, Sprühdose, Badge oder Xerox-Kopie.

Wir werden versuchen mit Super-8-Filmen von eher namhaften und eher unbekannten FilmerInnen einen Einblick in diese Szene zu geben.

Wir zeigen „Alle Macht der Super 8!“ in der Reihe „What you see is what you are“ (eine Kooperation von Piratenkino, monochrom und format b:), die anhand von Filmen aus und zur Punkgeschichte die Geschichte von Punk/Post Punk/New Wave erzählt.

Weitere geplante Veranstaltungen
-Ende April/Anfang Mai. Lichtspiel Kino
Wir wollen die Doku „So war das SO 36“ von Manfred Jelinski zeigen,
eventuell wird der Regisseur Jörg Buttgereit („Schramm“, „Nekromantik“,
„Captain Berlin versus Hitler“) als Zeitzeuge zugegen sein und ein
bisschen über das SO 36, Berlin in den frühen 80ern usw. erzählen

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